Bild oben: o,T, Öl auf Leinwand, 480 x 120 cm, 2026

 

Landschaft, Landschaft, Landschaft …
…zum offenen Atelier am 18.10.2026, 11 – 18 Uhr, Am Tabakquartier 62, 1. Stock

In Resonanz

Der Begriff „Klimawandel“ ist verbraucht. Zu wenige Menschen reagieren auf die menschengemachten Krisen dieser Zeit mit dem Wissen, sie ändern zu können. Wir streben danach resilienter zu werden, damit die Katastrophenmeldungen uns weniger berühren. Könnte bezogen auf Klima und Natur vielleicht Resonanz die zielführendere Umgangsart sein?

„Warum verstehen wir Leben so, dass wir uns von Luxus und Konsum derart verführen lassen, dass wir unseren Lebensraum dem unterordnen und bereitwillig opfern? Wieso findet der Gedanke der Nachhaltigkeit keine globale totale Akzeptanz und keinen politischen Mehrheitswillen?
Und wie ist es möglich, das Rad der Empfindung derart zu drehen, dass wir ein Ablassen von Wachstum und Zerstörung nicht als Verzicht sondern Gewinn verstehen?

Eine schnelle Antwort wäre, dass der Markt es so will, weil der Kapitalismus es braucht. Wieviel jedoch der Konsument steuern könnte, wenn der Mensch ein anderes Selbstverständnis hätte, lenkt den Blick auf einen Begriff, der die Beziehungskrise zwischen Mensch und Natur erörtert: Mensch-Natur-Resonanz.

Die Idee, dass die „Entfremdung der Natur eine der Wurzeln der aktuellen sozial-ökologischen Herausforderungen wie Klimawandel und Artensterben bildet, ist weitverbreitet. Wie aber kann ein positiver Gegenentwurf (…) aussehen?“.
Martina Artmann hat die Resonanztheorie nach Hartmut Rosa (Soziologe, Jena) auf das Mensch-Natur-Verhältnis übertragen. Die Verdichtung von Zeit und Beschleunigung des Lebens lässt „die Beziehung des Menschen zu seiner Umwelt verstummen. Der Mensch sieht sich der Natur überlegen an. Natur wird als lebloses Objekt und frei verfügbare Ressource wahrgenommen. Die Zerstörung berührt uns Menschen nicht.“ Nach Martina Artmann ist eine resonante Beziehung, ein Verhältnis auf Augenhöhe, eine gleichberechtigte Partnerschaft Voraussetzung für echte Nachhaltigkeit: „Wenn es meiner Partnerin gut geht, geht es auch mir gut.““ (aus state of mind II, 2024)

Die Natur braucht uns nicht – wir brauchen die Natur.

 

Bild oben: Landschaftsmantras v.L.n.r. No 266, No 269, No 273, No 272,  No 270.

„Landschaft ist nicht gleich Natur. Landschaft ist die gestaltende Wahrnehmung von Natur. Es ist das Gegenüber von Natur und produktiv empfindendem Individuum oder besser der Zwischenraum. Landschaft wird nötig und faktisch, wenn der Mensch gegen den Überschwang, gegen das Chaos und gegen die Unendlichkeit der Natur einen Rahmen setzt, eine Ordnung erstellt. Landschaft ereignet sich also immer in einem Korrespondenzverhältnis zwischen dem Menschen als Natur- und Kulturwesen und der Natur.

Und damit sind wir bei der Malerei: Künstler sind diejenigen, die diesem ambivalenten Resonanzverhältnis ein Bild geben, die ihren Eindrücken einen Ausdruck verleihen und die uns in Gemälde wie in doppelte Spiegel schauen lassen, in Spiegel der Welt und Spiegel des Ich.“

Rainer Beßling | Kunsthistoriker und Kulturjournalist

aus „Suche nach innerer Heimat“, 2018; Malerei von Ruth EE Cordes Malerei Studio