„die Welt – [fem.]“ …. Bilder von Frauen!
…zeigt noch bis zum 11.10. im Studio den Blick von 4 Künstlerinnen auf Gesellschaft, besondere Frauenfiguren und weibliche Positionen.

Diese Ausstellung ist zur 4. Nacht der schönen Künste im Bremer Schnoor entstanden. Eigentlich ist sie schon für März geplant gewesen, konnte aber aus bekannten Gründen nicht stattfinden. Umso mehr freut es mich, daß alle beteiligten Künstlerinnen dabei geblieben sind und wir hier somit 4 Positionen zeigen können.
Die Nacht der schönen Künste war ein Fest der Sinne und Solidarität in Krisenzeiten. Interessierte Besucher zeigten Wertschätzung und Lust auf Gemeinschaft.
Auch aus aktuellem Anlass finde ich diese Ausstellung besonders spannend. Etwas, dass man im März noch garnicht so sehen konnte. Zum einen im Hinblick auf Demokratie und im Hinblick auf Frauenrechte.
Das Wahlrecht ist einer der Bausteine der Demokratie. Wählen durften erst nur die Reichen, dann auch Arbeiter, schließlich dann auch Frauen. Das war 1918 in Deutschland. Erst 1944 in Frankreich, lange Zeit ausgebremst von der kath. Kirche. In der Schweiz kam das Wahlrecht für Frauen erst 1971. Nach jahrhundertelanger selbstverständlicher Unterdrückung der Frau haben sich Frauen ihre Rechte genommen.
Heute gibt es Bücher, wie das von Christoph-Maria Liegener „Warum die welt weiblich wird“, erschienen 2017. In der Buchbeschreibung heißt es zusammenfassend: „Immer wieder stellen sich die schlimmsten menschlichen Dummheiten als typisch männlich heraus. Das männliche Imponiergehabe bedroht inzwischen die Menschheit“ Aber wird deshalb die Welt nun weiblicher?

„Die Welt“ – muss nicht heißen, dass männliche Machtfiguren durch weibliche ersetzt werden. Sondern vielleicht eher, dass weibliche Eigenschaften, Ansichten, Stärken und Herangehensweisen einen größeren – nein, einen absolut ebenbürdigen Stellenwert bekommen. Das GLEICHBERECHTIGUNG tatsächlich stattfindet.
Und dabei kommt es nicht auf Perfektion an. Denn das Leben ist ein Prozess, ständigen inneren und äußeren Einflüssen unterworfen. Wir kümmern uns zu viel um Äußerlichkeiten und lassen uns schlimmstenfalls sogar darauf reduzieren. In der Beackererung von Nebenbaustellen sind wir aktuell gut, siehe Genderisierung der Sprache. Aber kommen wir deshalb schneller zum angepeilten Ziel?
Zurück zur Demokratie: Demokratische Rechte sind eng mit Frauenrechten verbunden. Interessant hierbei ist es, sich die Historie der Frauenbewegung anzuschauen. Ein Gesetz zur Selbstbestimmung der Frau in Deutschland ist der Paragraph 218 im Jahre ’74. Ein markanter, auch noch junger, Eckpfeiler ist die Abschaffung der „Hausfrauenehe“ im Jahre 1977. Je weniger demokratische Strukturen ein Land aufweist, desto weniger Rechte haben Frauen. Mit Blick auf die Autokraten, Diktatoren, zumindest selbstherrliche, unreflektierte, geld-geile Macht-Männer, die z.Z. überwiegend das Weltgeschehen bestimmen, ohne Blick auf das Allgemeinwohl, bekommt man das Fürchten.

Bei der Recherche zu dieser Ausstellung stieße ich im Netz auf einen Text von Christine Haiden, auf „Welt der Frauen“: „Wer heute Greta Thunberg nicht kennt hat die Welt nicht verstanden“ Und sie nennt weitere Frauen wie Carole Rackete, aber auch Jean d’Arc, Maria Theresia, Sophie Scholl, Freda Meissner-Blau, Kamala Harris, Nancy Pelosi.
„Sind Frauen Heilsbringer besonderer Art?“ „Ganz sicher haben sie den Vorteil, weniger in lang etablierte Machtstrukturen eingebunden zu sein. Das macht sie im Fall der Krise glaubwürdiger. Sie verkörpern mit Leichtigkeit in dieser Position das lebende Gewissen.“
Auch ein schöner Satz aus diesem Artikel: „Sie haben es medial leichter. Wer sie angreift, schießt sich selber ins Knie“.
Ernüchternd wird es dann im Folgenden: „Frauen haben dann ihre Sternstunde, wenn die bisherigen Helden auf dem Sockel wanken. Das derzeitig wieder viele Frauen Beachtung finden, lässt auf größere Erschütterungen des Gewohnten schließen.“
Was scheint das zu implizieren? Klingt da nicht die Ausnahme durch? Die Frau als Feuerwehr. Die „Trümmerfrau“, die mit ganzem Einsatz das Schlimmste abwendet, zumindest Spuren beseitigt, Harmonie wieder herstellt.

Ganz aktuell horcht man in diesem Zusammenhang auf, wenn man die Nobelpreisverleihung verfolgt hat. Wieso ist es so, dass heute noch, bei der Verleihung des Nobelpreises beim männlichen Wissenschaftler die Berichterstattung ausführlich die fachliche Komponente reflektiert. Und bei den beiden Frauen Charpentier/Doudna? Dazu DIE ZEIT: „Bei der aktuell laufenden Verkündigung der Nobelpreisträger rückt die wissenschaftliche Leistung, für die sie ausgezeichnet werden, in der öffentlichen Wahrnehmung auf ärgerliche Weise in den Hintergrund und wird verdrängt von einer Diskussion darüber, dass sie Frauen sind.“ Im Weser-Kurier heute klagt eine Leserin eine Nennung mit Bild der Preisträgerinnen ein. Die Frau in der Gesellschaft ist noch nicht Seite an Seite mit ihrem männlichen Kollegen angekommen.

„Die Welt – [fem.]“ – wir sind noch weit davon entfernt. Und eine Antwort darauf kann eine Ausstellung natürlich nicht geben. Sie kann Fragen stellen, und selbst die sind auf diesen wenigen Quadratmetern so unterschiedlich, so vielseitig, so alt, dass man ahnt: Eine Antwort ist komplex!
Auf unserer unperfekten Suche nach einem Weg zu realer Gleichberechtigung wird vielleicht in diesem Raum uns Frauen eins deutlich: Wir können uns nebeneinander in unserer sichtbaren Unterschiedlichkeit alle soweit zurück nehmen, dass wir der anderen – oder dem anderen – genügend Raum geben ohne unser Potential zu verlieren.

Ruth Degenhardt
„Nichts ist „perfekt“, nicht das Leben, nicht der einzelne Mensch. So ist auch meine Kunst. Ich kreiere Köpfe aus Ton und strebe dabei nicht die perfekte, glatte Oberfläche an. Die groben Seiten, die verformten Köpfe, die Zeichen der Zeit wie auch die Bearbeitungsspuren sind konzeptueller Bestandteil meiner Werke – und meiner Person.“

„Flachkopf“ | Ruth Degenhardt | Ton, gebrannt

Scarlett Fink
Die intellektuelle Frau wird in der Gesellschaft nach wie vor zu wenig wahrgenommen, so sieht es Scarlett Fink. Besonders auffallen tut es bei denen, die der Wissenschaft mit ihrem Können besondere Dienste erwiesen haben. Aus diesem Grund konfrontiert sie uns in der Ausstellung „die Welt – [fem.]“ mit einem Gruppenporträt von 26 namhaften Frauen aus der Vor- bis zur Neuzeit.

„Der Club der Philosophinnen“ | Scarlett Fink | 60 x 80 cm | Acryl auf Leinwand | 2020

Elisabeth Fitting
Als Fotografin und Digi-Artistin beobachtet Elisabeth Fitting besonders gerne Frauen in ihrer Welt. Für wenige Sekunden taucht sie ein in das Leben dieser Personen und hält einen besonderen Augenblick fest. In der anschließenden Bearbeitung gibt sie dann diesen Figuren ihre subjektive Realität. Mit starken Farben, Harmonie und Schönheit verwandelt sie sie in eine Welt der Fantasie und Illusion. Auch im heutigen Alltag bleibt uns noch Zeit für Träume.

„Mirabelle“ | Digital-Art on Canvas 40 x 50 cm | Elisabeth Fitting

RuthEECordes
Leben und Lebensräume – der Mensch und die Natur. Kleine Landschaftsmantras in Aquarell oder großformatige Öl- und Acrylbilder – sie haben alle das immer wiederkehrende Thema: Der Mensch und die Natur. Es ist eine Hommage und ein Aufruf. Eine Verdeutlichung und eine Warnung. Und manchmal ist Landschaftsmalerei einfach nur schön.

EINLADUNG

Am Sonntag den 11.10. findet anlässlich der laufenden Ausstellung im Studio RuthEECordes in der Marterburg ein Finissage-Sonntag statt. Die Galerie öffnet von 15 – 19 Uhr. Es gibt Kaffee, Tee und Gebäck! Ab 15 Uhr gibt es Führungen durch die Ausstellung.
https://ruthcordes.de/2020/09/16/die-welt-fem/
Beteiligte Künstlerinnen der Ausstellung sind: RuthEECordes, Ruth Degenhardt, Scarlett Fink und Elisabeth Fitting.

Anlässlich der Finissage :
Ab 16 Uhr lädt das Künstler-Duo Bescht/Gefken zu einem SchnoorARTguide ein. Start ist an der Marterburg 7a, vor dem Studio RuthEECordes.
Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, möchte wir darum bitten, dass sich Interessierte anmelden unter ute@bescht.de
Der Walk durch den Schnoor dauert ca. 45 min und kostet 10,- Euro pro Person.
Hier ein Einblick:
https://www.utebescht.de/herr-markus-und-die-beschte

Ein kleiner Einblick in die Ausstellung – Musik: Goldilocks and the Nightingale